Thinking Day – Nachlese

Ein paar Tage ist er ja schon her, dennoch möchte ich euch meinen Vortrag zum Thinking Day nicht vorenthalten.
Für alle die nicht dabei waren: Am 22. Februar haben wir den Thinking Day mit einer Gruppe von etwa 25 Pfadfindern im Jugendgästehaus begangen. Dieses Jahr hatte der Thinking Day das Motto „Warum werde ich nicht satt?“. Aus diesem Anlass haben wir ein paar Zahlen zum Thema Hunger zusammen getragen.

Einleitung

Wir leben in Zeiten, in denen die Welt sich immer schneller zu drehen scheint. Jeden Tag kommt eine Flut an Nachrichten und Meldungen auf uns zu. Kaum Zeit alle wahrzunehmen oder gar einzuordnen.

Und es überwiegen die schlechten Nachrichten, die Kriege in Afghanistan in Irak, die Bedrohung durch eine Atommacht Iran, das Erdbeben in Haiti, die Finanzkrise, die viele Schnee hier in Deutschland mit all seinen Folgen.

Dabei behandlt die Presse immer nur die aktuellen Themen. Wann habt ihr zum Beispiel das letzte Mal eine Meldung über Haiti in den Nachrichten gesehen oder gelesen?
Auch viele globale Probleme werden immer weniger präsent. Was ist mit Aids? Was ist mit Kinderarbeit? Oder aber was ist dem Hunger auf der Welt?

Hunger und Sterben

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:GHI_2008_map.jpg

Vor 20 Jahren haben auf der Welt 820 Millionen Menschen gehungert. Im vergangenen Jahr waren es über eine Milliarde. Das bedeutet zwar eine Senkung um 2% von 18% auf 20%Anteil an der Gesamtbevölkerung, aber dennoch: Das ist jeder sechste. Jeder sechste Mensch auf der Welt hungert.

Alle 5 Sekunden stirbt ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen des Hungers.

Rechnet man Jugendliche und Erwachsene hinzu, stirbt alle 3,5 Sekunden ein Mensch.

Zum Vergleich: In Deutschland stirbt alle 90 Sekunden ein Mensch und das mit einer Wahrscheinlichkeit von fast 50% an einer Herzkreislauferkrankung.

Nahrungsverfügbarkeit

Heißt das, es gibt zu wenig Essen auf der Welt?

Jährlich werden 2,3 Millionen Tonnen Getreide angebaut. Das sind etwa 336kg Getreide pro Mensch auf unserer Welt. In Deutschland liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei etwa 90 Kg. Was passiert also mit dem ganzen Rest? Etwa 35% geht als Futtergetreide für die Fleischproduktion drauf. Weitere 18% für andere Verwendungszwecke, wie Biosprit oder Verpackungen und so weiter. Nur etwa 47% landen irgendwo auf der Welt auf einem Teller. Und der Trend setzt sich fort. Der stetig steigende Energiehunger der entwickelten Länder fordert immer mehr Reserven für die Biodieselgewinnung.

Nahrungsaufnahme

Wenn wir sehen: 90kg Getreide verbrauchen wir in Deutschland, aber auch 42 kg Zucker. Das macht 115g pro Tag. Und auf der anderen Seite  stehen 112g Getreide (Zur Erklärung: Hier habe ich zwei Haufen gegenübergestellt. Einen mit Zucker und einen mit Mehl.). Das Mehl ist angereichert mit Vitaminen und Mineralien und nennt sich dann FBF Fortified Blended Food (zu deutsch: angereichertes, vermischtes Essen). Das besteht aus verschiedeben Getreidesorten und ist mit allen notwendigen Mineralien und Vitaminen angereichert. 112G können ein einjähriges Kind einen ganzen Tag ernähren. Oder einem Erwachsenen eine vollwertige Mahlzeit geben. (Anmerkung: Mit den Mengenangaben lehne ich mich wahrscheinlich weit aus dem Fenster und es ist nicht unwahrscheinlich, dass man mit der Menge FBF alleine nicht satt wird. Das ist aber der Vergleichbarkeit geschuldet.)

Das WFP verteilt diese Mischung in Gegenden die Hunger leiden. Diese Mischungen lassen sich einfach herstellen, transportieren und verarbeiten. Und es ist günstig. Für 70 Cent am Tag kann ein Kinden Essen und auch noch zur Schule gehen.

Verdienst

Aber 70 Cent sind für uns nicht viel aber in Afrika eine Menge Geld.

Die ärmsten 10% der Welt verdienen gerade mal 70 Cent am Tag, die Reichsten 15% verdienen 5 Euro am Tag, die Reichsten 10% mehr als 50 Euro. Die reichsten 1% sogar fast 100 Euro. Und jemand mit 35.000 Euro Jahresgehalt kann sich schon zu den reichsten 2% der Weltbevölkerung zählen.

Finanzen

Und was machen wir mit all unserem Geld?

Ein paar Beispiele (in Milliarden Euro):

  • 11 – Ausgaben des Bundes für Bildung und Forschung
  • 30 – Ausgaben des Bundes für Verteidigung
  • 39 – Ausgaben des Bundes für Hartz4
  • 135 – Marktwert von Google
  • 1242 – Kosten für Afghanistan und Irak Krieg bis jetzt
  • 72 – Entwicklungshilfe aller Staaten (inkl. Schuldenerlass)
  • 22 – Geschätzte Kosten um den Hunger nachhaltig zu bekämpfen
  • 89 – Geschätzter finanzieller Nutzen/Gewinn der aus den 22 resultiert.

Pause

Nach einer angemessenen Pause des Nachdenkens haben wir gemeinsam noch das Gebet der UN gesprochen.

Nachtrag

Gestern ist bin ich noch auf einen interessanten Beitrag zur Veröffentlichung des Berichtes „Zur Lage der Welt 2010″ gestoßen. Das passt sehr gut hier her.

Dar­aus geht unter an­de­rem her­vor, dass die von der Erde jähr­lich pro­du­zier­ten Res­sour­cen letz­tes Jahr be­reits am 24. Sep­tem­ber ver­braucht waren. Die­ses Datum ist in den letz­ten Jah­ren im Ka­len­der immer wei­ter nach vorne ge­rückt.

Hier auch direkt der Verweis auf den passenden taz Artikel.

Nachtrag 22.3.2010: Und hier noch ein tolles Video für Kinder zwischen 9 und 14, dass das Thema Welternährung sehr gut erklärt: How to feed the world. Danke Tobi für den Tipp!

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemeines. Fügen Sie den permalink zu Ihren Favoriten hinzu.

Kommentare sind geschlossen.